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re:publica´2010 – call for papers.

Termin: Vom 14. bis 16. April 2010 findet in Berlin wieder Deutschlands wichtigste Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft statt.

Zitat: “Die vierte re:publica steht im April 2010 als Social-Media-Konferenz im Zeichen des Echtzeit-Web. Mit “nowhere” befinden wir uns im Jetzt und Hier – und Nirgendwo.”

Vorverkauf und call-for-papers wurden gestern offiziell gestartet.

Summary: From April 14 to 16 in 2010, Berlin will be hosting germany’s biggest conference on blogs, social media and digital society again. Pre-selling and call-for-papers have already started.

Facebook Datenschutzrichtlinien: Dazu gelernt.

Die neuen Richtlinien wurden am 29. Oktober im blog vorgestellt und können bis zum 5. November kommentiert werden. Der Text richtet sich direkt („Du“) an den Nutzer und enthält acht Abschnitte. Sie sind grob danach gegliedert, wer unterschiedliche Daten („Personenbezogene Informationen“, „Inhalte“, „Transaktionsdaten“, „Informationen über Freunde“ und „Informationen über deinen Standort“) erhält und wer („Wir“, „Du“ und „Dritte“) sie weitergeben darf. Im Folgenden werden einige Passagen kritisch gegengelesen.

Informationen, die facebook erhält

Anmeldung: Wer sich bei facebook anmeldet und seinen persönlichen Zugang einrichtet, der muss mindestens angeben: Vor- und Nachnamen, E-Mail, Passwort, Geschlecht und Geburtstag. Er bekommt eine Bestätigungs-E-Mail. Dann kann man weitere Informationen angegeben, um mit facebook vorhandene Freunde zu finden und schließlich auch ein Profilbild. Diesen Schritt kann man aber auch überspringen, dann werden nur Geschlecht, Geburtstag und E-Mail im Profil angezeigt. Welche Daten man hinzufügt ist weitgehend jedem selbst überlassen. Es gibt im Internet viele Tipps dazu, wie man dabei Fehler vermeidet.

Geodaten: Die Verwendung von Geodaten ist neu. Twitter hat die freiwillige Ortung seiner Nutzer bereits getestet und war dafür auch kritisiert worden. Daten, die den Aufenthaltsort eines Nutzers anzeigen, sollen künftig behandelt wie andere Informationen auch, d.h. für sie gelten künftig auch die Datenschutzrichtlinien.

Informationen, die mit Dritten geteilt werden

Nach die umfangreiche Weitergabe von Daten an Dritte bei facebook bereits kritisiert worden war, sollen jetzt persönliche Informationen an Dritte nur noch anonymisiert weitergegeben werden. Regionale Netzwerke, die auch schon mal für Probleme durch unfreiwillige Erweiterungen der Datenschutz-Einstellungen gesorgt hatten, soll es bald nicht mehr geben. Offen bleibt jedoch, ob sich auch Dritte (zum Beispiel Betreiber von Facebook-Fremdanwendungen) daran halten werden. Das könne facebook „nicht gewährleisten“. Allerdings ist zum Beispiel die Weitergabe von E-Mail-Adressen an die Entwickler von Anwendungen vorgesehen.

Suchmaschinen: Wer die Standardeinstellung „Alle“ wählt, dessen Informationen sind auch über Suchmaschinen zugänglich. Microsoft hatte angekündigt, Nachrichten von facebook und twitter in seinem Suchdienst Bing erfassen.

Verwendung von Informationen durch facebook

Werbung: Es war kritisiert worden, dass die Nutzer nur sehr allgemein in die Nutzung ihrer Daten einwilligten. Die neue Erklärung versucht dem durch eine einfache Sprache Rechnung zu tragen und durch Beispiele für die bestehende Praxis. Facebook stellt beispielsweise klar, wie man bislang bei “umfeldorientierten Werbeanzeigen” vorgeht. Die alte Werbestrategie hatte für Streit gesorgt. Jetzt ist klar: Wenn jemand sich beispielsweise als „fan“ eines Filmes registriert, wird facebook möglicherweise eine Werbung bei allen Freunden anzeigen, die diese Information enthält.

Umgang mit Verstorbenen: Sobald facebook den Beweis erhält, dass ein Nutzer tatsächlich gestorben ist, werden persönliche Daten im Profil gelöscht, Freunde des Nutzers können aber weiter an der Pinnwand Erinnerungsnachrichten hinterlassen. Auf Wunsch von Angehörigen kann die Seite auch komplett gelöscht werden.

Markieren von Dritten auf Fotos: Dies bleibt weiterhin erlaubt. Hier wäre es vorstellbar, dass nicht nur das Fotografieren sondern auch das Markieren von der Einwilligung der Betroffenen abhängig gemacht würde. Man kann aber einschränken, wer sehen darf, dass man markiert wurde.

Weitergabe von Informationen durch facebook

Facebook gibt die Daten an Dritte weiter, wenn man der Auffassung ist, dass ihnen die Weitergabe gestattet wurde oder sie aus rechtlichen Gründen dazu gezwungen seien.

Facebook arbeitet mit E-Mail-Anbietern zusammen: Wenn facebook externe Freunde per E-Mail benachrichtigt, diese dann aber verlangen, dass ihre E-Mail von facebook gelöscht wird, gibt es einen spezieller Antrag auf Löschung von Daten für „Personen, die keine Facebook-Nutzer sind“.

Ansehen, Ändern oder Entfernen von Informationen

Konto deaktivieren oder löschen: Bislang war Nutzern nur mitgeteilt worden wie der Zugang zu deaktivieren ist, nicht aber (deutlich genug) wie er endgültig gelöscht werden kann. Nach der Kritik kommt nun die Klarstellung: Bei einer Löschung speichert Facebook die Daten für maximal 90 Tage als Sicherheitskopie. Bei einer Deaktivierung bleiben die eingestellten Daten in den Datenbanken des Unternehmens, das Profil ist aber nicht mehr sichtbar und Kommentare auf den Seiten anderer Nutzer werden anonymisiert. Das war kritisiert worden.

Die Datenschutzrichtlinien werden von einer unabhängigen Einrichtung (TRUSTe Datenschutzprogramm) überprüft werden. Diese Stelle soll auch künftig weiter zur Schlichtung dienen. Diese Vereinbarung kann jedoch zwingendes Recht und ggf. höhere Standards an Verbraucherschutz nicht unterlaufen.

Fazit

Es ist gut, dass facebook jetzt offensichtlich viele der Kritikpunkte der kanadischen Datenschutzbeauftragten aufgenommen hat. Man hat sicher nicht den Versuch unternommen, ein Höchstmaß an Datenschutz zu gewährleisten – aber das war bei einem Geschäftsmodell der “shared informations” auch nicht zu erwarten. Es ist daher vielleicht nicht der große Wurf geworden, aber auf jeden Fall ein Schritt nach vorn.

Viele Daten werden auf facebook weiterhin als „öffentlich“ angesehen. Dazu gehören Name, Profilbild, Freundeslisten, Fan-Seiten, Geschlecht und Netzwerke. Der Abschnitt „Informationen, die mit Dritten geteilt werden“ dürfte dabei in der Praxis weiterhin die meisten Probleme verursachen. Hier wünschte man sich weitere Zugeständnisse seitens des Anbieters, beispielsweise beim Markieren von Fotos.

Überwiegend verlangt facebook weiterhin vom Nutzer, dass er sich über das Recht zur Benutzung der Daten von Dritten selbst informiert und die Weitergabe seiner Daten durch Dritte notfalls in Kauf nimmt. Das ist nicht sehr verbrauchschutzfreundlich. Denn die schönsten Richtlinien sind dann zahnlose Tiger, wenn kein verbindlicher Anspruch darauf besteht, dass sie auch durch andere eingehalten werden.

Irreführend ist übrigens, dass auch in der deutschen Übersetzung der Richtlinien immer nur von „Informationen“ die Rede ist – nicht aber von personenbezogenen Daten im Sinne des Bundesdatenschutz- oder Telemediengesetzes.

Schade nur, dass nicht – wie von den Behörden empfohlen – bereits die Standardeinstellungen datenschutzfreundlich gestaltet wurden. Das muss weiterhin die Nutzerin oder der Nutzer selbst erledigen. Aber deshalb wird es vermutlich nicht erneut Proteste durch facebook-Gruppen geben – insoweit hat facebook schon dazu gelernt.

Sie dazu auch meinen früheren Beitrag.

Update 10.11.: Auf Netzpolitik lese ich heute zum einen, dass einige Hacker auf Datenschutzlücken bei facebook aufmerksam gemacht haben. Zum anderen verwendete Bild offenbar ein auf facebook entnommenes Bild vom Grab des King of Pop.

Update 12.11.: Wie die Verbraucherzentrale heute mitteilt, haben die abgemahnten Soziale Netzwerke die vom VZBV geforderten Unterlassungserklärungen inzwischen unterzeichnet.

Update 16.12.: Millionen Nutzer eine “Dislike“-Funktion, also das Gegenstück zum “Gefällt mir”-Button. Sind es mehr als 5.000.000 in 30 Tagen will facebook angeblich die Funktion einrichten (hier unterstützen). Andererseits schreibt Zuckerberg nichts davon in seinem Blog. Ich finde allerdings, man kann für jedes “Dislike” auch mal einen kostruktiven Gegenvorschlag machen – und den dann unterstützen (lassen). Finde ich konstruktiver.

Update 19.12.: US-amerikanische NGOs klagen nun gegen Facebook, weil sie die neuen Richtlinien für unvereinbar mit den US-Gesetzen halten.

Links:

Richtlinien des Düsseldorfer Kreises, Datenschutzkonforme Gestaltung Sozialer Netzwerke

Richtlinien der EU Artikel-29-Datenschutzgruppe: Opinion 5/2009 on Social Networking

Verbraucherzentrale Bundesverband: Projekt Verbraucherrechte in der Digitalen Welt

Lesenswerte Studie: Chew / Balfanz / Laurie, (Under)mining Privacy in Social Networks.

Summary: It is remarkable, that many of the critical points raised by the canadian privacy authorities have now been taken into consideration. The new rules do not even try to achieve maximum privacy. Nobody would expect this from a business model based on information sharing though. The new rules do not present the final solution, yet it is a step forward towards more data protection. Time will tell which of these rules will have to be reviewed next.

Facebook stellt neue Datenschutzrichtlinien vor.

Wie TechCrunch berichtet, hat facebook am 29. Oktober offiziell Änderungen seiner Datenschutzregeln vorgestellt.

Die Datenschutzregeln bei facebook hatten in der Vergangenheit mehrfach für Verärgerung gesorgt.

2008 hatten sich Nutzergruppen beschwert, dass facebook mit ihren Namen Werbung bei google schaltete. Anfang 2009 hatte facebook die Geschäftsbedingungen einseitig gekürzt. Damit erhielt facebook nun das Recht, die Daten unbefristet zu nutzen, auch nach Erlöschen des jeweiligen accounts. Es regte sich wieder Protest. CEO Marc Zuckerberg gab daraufhin am 17. Februar bekannt, diese Streichung erst einmal zurück zu nehmen. Im April legte man dann den Nutzern eine Erklärung (”Statement to Rights and Responsibilities”) zur Abstimmung vor. Am 14. Juli hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) facebook und andere soziale Netzwerke kritisiert und abgemahnt. Und am 27. August reagierte facebook auf die Kritik der kanadischen Datenschutzbeauftragten Jennifer Stoddart.

Die nun vorgestellten Regeln sind einfacher zu lesen, enthalten aber auch inhaltliche Änderungen. Der Entwurf ist hier, die bisherigen Regeln sind hier zu sehen. Sie können noch bis zum 5. November kommentiert werden. Dann wird über ihre Verwendung entschieden.

Summary: As TechCrunch reports, facebook has outlined changes to its privacy policy. Existing rules have been criticized again and again.

In Kürze folgt dazu ein ausführlicher Beitrag.