Während die US-Regierung von der chinesischen Seite eine Erklärung für Hackerangriffe auf mehrere US-Firmen verlangt (”demarchieren“), hat google damit begonnen angekündigt, ggf. die Zensur durch seine chinesischen Suchmaschine google.cn abzubauen und sich zurückzuziehen. Begriffe wie “Demokratie” werden nun angeblich wieder komplett angezeigt, wegen der “Great Chinese Firewall” allerdings nur vom Ausland aus.
Update 15.01.: Google Blogoscoped zitiert google-Verantwortliche, zunächst führe man nur Gespräche mit der chinesischen Regierung. Die chinesische Parteizeitung China Daily kooperiert immer noch mit google, was ich auch für den Fall getestet habe, dass man sich von China aus einwählt.
Im Netz wird über das Motiv spekuliert: Sind es menschenrechtliche oder wirtschaftliche Motive (NZZ)? Das ist nicht der Punkt. Interessanter sind die Folgen: Was passiert, wenn Chinas Bevölkerung auf die meistgenutzten Suchmaschinen im Ausland keinen Zugriff mehr haben wird? Wird es schlicht durch Baidu ersetzt werden, auf das es interessanterweise ähnliche Angriffe gegeben hat?
Zur Begründung hat google die Menschenrechte genannt (NYT: attacks partly aiming at “Gmail accounts of Chinese human rights activists”), aber vor allem den Angriff auf seine amerikanischen Server. Somit ist die US-Regierung bei diesem wichtigen Thema mit im Spiel, denn es geht hier nicht mehr um die sonst immer bemühte “Einmischung in die inneren Angelegenheiten”.
Was tatsächlich geschehen ist wird sich hoffentlich bald zeigen. Update: IDefense will nachweisen können, dass die Angriffe von der chinesischen Regierung kamen (McAfee spricht vom Projekt “Aurora“). Die Regierung täte gut daran, mit aufzuklären. Dass sie (die offiziell Zensur immer bestritten hat) Zensur gegenüber der eigenen Bevölkerung aufgeben wird ist eher unwahrscheinlich.
Aber wenn jetzt andere Suchmaschinen mitziehen, wird dieser Rückzug vielleicht den Anstoß für viele Chinesen geben, sich zu fragen, ob diese Unterscheidung zwischen “Innen” und “Außen” im digitalen und globalen Zeitalter eigentlich noch sinnvoll ist.
Update 16.01: Die anderen betroffenen Firmen (google: “some 20 other companies”) entscheiden sich offenbar gegen einen Rückzug aus China: Microsoft will bleiben, Adobe Systems, trotz früherer Ankündigungen, bislang auch. Yahoo zeigt nur Verständnis, während Partner Alibaba.com sich kritischer äußert. Symantec, Juniper Networks, Northrop Grumman und Dow Chemical haben bislang nicht einmal offiziell die Angriffe bestätigt. Appelle von NGOs wie HRW und AI scheinen zu verhallen. Keine gute Ausgangsbasis für die von Clinton für den 21. Januar angekündigte außenpolitische Initiative für ein freies Internet ohne staatliche Zensur…
Update 20.01.: Nach einem Hackerangriff durch eine selbst ernannte “Iranische Cyber-Armee” verklagt die chinesische Suchmaschine Baidu ihren US-Internetdienstanbieter “Register.com” in New York auf Schadenersatz. Im vergangenen Monat hatte diese Gruppe auch Twitter vorübergehend lahmgelegt.
Links: Hier eine Übersicht über das regelmäßige Einknicken von Unternehmen gegenüber Menschenrechtsfragen in China.
Summary: On the occasion of cyber attacks on the servers of several US companies (including its own), google has announced that it may withdraw its activities in China. While the US administration is going to demarche on the matter, several other companies have not yet shown eagerness to follow google. This does not please the US administrations initiative for a free internet without censorship…














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